Projekt Fantasyfilm: Irrlicht

Wir arbeiten an einem Kurzfilm über eine Saga aus Island. Die Dreharbeiten sind unterdessen abgeschlossen und der Film präsentiert. Ich muss leider mitteilen ,dass er nicht als DVD erhältlich sein wird.

Weiter unten findet ihr den Trailer, die Outtakes und den Bericht zu den Drehtagen.

 

 

 


Fotos: Miri Balli / Schagge Käufeler / Benjamin Grossniklaus

Ort: Mellingen

 

Filmpremiere

Endlich können wir euch den Film zeigen und zwar am 2.5.2014 im Ryffsaal (Bahnhofstrasse 51) in Mellingen. Die Türöffnung ist um 19:00 und wir beginnen mit dem Apero. Der Eintritt ist Gratis. Wir haben noch weitere Daten 3.5.2014 14:00 und 20:00 / 4.5.2014 14:00.

 

 

 

Weitere Infos:

Anzahl Plätze: 200 pro Vorstellung

Alter: Wir haben keine Beschränkung, empfehlen jedoch ein Alter ab 12 Jahren, da gewalttätige Szenen und Blut im Film vorkommen.

Spieldauer: 40 Minuten

Sprache: Schweizerdeutsch

 

Filmposter:

 

Hinter den Kulissen

Fotos und Berichte zu unseren Drehtagen

Rückblick Drehtag 13

Etwas wehmütig schaue ich auf den letzten Drehtag zurück und vermisse diese Tage mit euch schon jetzt! Wir starteten etwas zögerlich da die Schlussübung der Feuerwehr uns den Schlaf etwas verkürzt hat und manch einem Kopfweh bescherte. Ich gab mir Mühe, etwas Ordnung einzubringen, da wir heute mit Kindern und Geissen drehten, beides ein ziemlich eigensinniger Faktor, der nicht genau zu berechnen war. Finnia lockten wir mit Gummibärchen, während die Geissen wohl oder übel am Strick vom fressen abgehalten und durchs Bild geschleift wurden. Für unsere Arbeit wurden wir von Petrus belohnt und mit schönem Wetter gesegnet, wie fast immer an unseren Drehtagen. Danach wurde unser letzter Drehtag und Michis Geburtstag mit ein, zwei Bier gefeiert und wir grillierten unsere obligatorischen Cervelats. Nochmals danke an alle, dass ihr unser Projekt ermöglicht habt!

 

Einblick in Drehtag 12

Drehtag 12 war eine riesen Materialschlacht, die es mit 20 Leuten zu bewältigen gab. Besten dank den Wikingern von der Vikinghorde. Sie haben uns freundlicherweise zwei Zelte zur Verfügung gestellt und einiges an Aufbau und Abbau Arbeit abgenommen. Herzlichen Dank auch an alle, die schon am Freitagabend Material beladen haben, am Samstagmorgen um 8:00 schon wieder aufbauten und schleppten und am Abend noch Material gewaschen und wieder einsortiert haben. Ich kann mich auf euch verlassen! Besten Dank!!!

Die etwas besonderen Fotos von Drehtag 11.

Am Drehtag 11 gab es viele Diskussionen, da noch nicht ganz klar war, wie genau Trystan jetzt gehängt werden sollte. Einige Probleme gab es auch beim Kaschieren des Klettergurts und wegen des schnellen Wechsels des Wetters. Also haben wir eine kurze Szene, in der einmal die Sonne scheint, einmal bewölkt und einmal Regen. Ich glaube für Drehtag 12 müssen wir noch einmal alle Motivation zusammen nehmen und einen Endspurt hinlegen.

Herzlichen Dank für eure Hilfe! Alles hat reibungslos geklappt mit Aufstellen und Aufräumen. Am Drehtag 10 wurdet ihr wiedereinmal meine Helden und Heldinnen! Am Morgen haben wir das Zelt eingerichtet und nach einer kurzen Spaghettipause wurde fleissig geschminkt. Danach konnten wir mit der Operation beginnen. Die Wunde wurde ausgebrannt, genäht und verbunden. Ein lustiger Tag auf engstem Raum.

Drehtag neun haben wir ebenfalls hinter uns. Mit Tieren zu drehen ist nochmals etwas ganz Anderes. Manchmal wollen sie, manchmal nicht und manchmal fressen sie einfach. Aber unser Pferd, das wir freundlicherweise geborgt bekommen haben machte gut mit und hat Michi auch nicht aufgefressen. Mit dem Wetter hatten wir wieder einmal grosses Glück.

Es geht vorwärts in unserem Film. Drehtag folgt auf Drehtag. Danke an alle, die sich so viel Zeit nehmen.

Drehtag 8 verlief wie geplant, trotz der Katerstimmung am Morgen mit einigen Verspätungen. Wir fanden in der Teufelsschlucht ein paar wunderschöne Orte, die optimal zu unserem Film passten. Ohne Zeitdruck zu Arbeiten macht schon viel mehr Spass und wir mussten uns beim Essen ausnahmsweise nicht beeilen. Ich freue mich darauf, die Szenen zu betrachten und zu schneiden.

 

Hier sind einige Bilder aus unserem Film. Ich glaube die Hälfte haben wir jetzt überschritten. Wir haben inzwischen 20 Min., sind aber noch am Szenen kürzen, um das Publikum nicht mit langweiligen Szenen zu belasten.

Meine schlaflosen Nächte haben ein Ende, denn wir haben soeben Drehtag 6 und 7 hinter uns. Wir drehten und übernachteten auf der Burg Ehrenfels (Graubünden). Meine Idee, einen Mittelaltermarkt aufzubauen und zu beleben, brachte mich an meine organisatorischen und logistischen Grenzen. Nur dank grossem Einsatz meiner Kollegen und die Hilfe von ein paar Kunsthandwerkern von Fornaxfabularum.ch konnte ich es überhaupt wagen, meine Vision in die Wirklichkeit umzusetzen. Ich wurde mit Problemen wie schlechtem Wetter, kurzfristigen Absagen von Personen, Zeitknappheit und einem Baugerüst um den Turm von Ehrenfels konfrontiert. Aber es gab kein Zurück mehr.

Rückblickend muss ich sagen, hatte ich umsonst Bauchschmerzen, denn es klappte fast alles reibungslos. Wir wurden mittelalterlich bekocht, konnten lebendige Hühner auftreiben, trotzten dem Wetter mit Mänteln, besiegten die Zeitknappheit mit vielen unermüdlichen helfenden Händen, umgingen das Baugerüst mit taktischen Kamera Stellungen und lösten das Problem von zuwenigen Leuten mit Doppelbesetzung von verschiedenen Rollen. Alles in allem ein gelungenes und wunderschönes Wochenende. Besten Dank!

Und hier noch ein paar Bilder vom Aufbau und unserer wenigen Freizeit, die wir hatten.

Zeckenalarm am fünften Drehtag, trotzdem sind wir im Laub herumgekrochen. Die schnell wandernde Sonne und der Fluglärm machte unsere Aufgabe wieder einmal nicht ganz einfach. Zudem haben wir bei der Kampfszene viel Material beschädigt (was im Kampf vorkommen kann). Danke nochmals für eure Geduld und euren Einsatz! Ich hoffe, ich habe keine Szene vergessen.

Normal beschweren sich alle, sie haben nichts zu tun beim Drehen. Heute beklagten sich die meisten, weil sie keine Pause hatten. Besten Dank allen, die geholfen haben! Es gab viel Material zu schleppen oder teilweise sogar zwei Rollen pro Person zu spielen. Mit dem Wetter haben wir wiedereinmal riesig Schwein gehabt, ausser dass es ein bisschen kalt war zeitweise.

Pech für den vierten Drehtag. Wir haben einen Hasen zum Grillieren bestellt und wir bekamen ihn schon zerteilt. Damit die Szene ihren "am Lagerfeuer sitzen mit drehendem Hase" behält haben Käufi und Michi in einer spontanen Migros-abklapper-Aktion doch noch einen ganzen Hasen gefunden. Danke für den Einsatz!!!

 

Unser dritter Drehtag verlief an vier neuen Standorten. Hier kommen die Bilder zum Film.

Unsere Angst vor Stau und schlechtem Wetter war unbegründet. Wir konnten in aller Ruhe, ohne viele Touristen drehen. Die Crew arbeitete mit Begeisterung, auch wenn meine Anweisungen Klettergeschick und viel Schlepparbeit erforderten. 

Unser zweiter Drehtag. Es geht vor allem darum, die alten Fehler zu verbessern und nochmals zu drehen. Leider haben wir inzwischen noch mehr Fehler entdeckt, die es am nächsten Drehtag zu verbessern gibt.

Aber trotz allem habe ich ein gutes Gefühl, da man deutliche Verbesserungen sieht.

Unser erster Drehtag forderte bei allen viel Geduld. Doch im Grossen und Ganzen war es ein wunderschöner Tag. Danke allen, die geholfen haben.

Hier sind die Bilder "Hinter den Kulissen" dazu:

 

Eindrücke aus der ersten Szene:

Die Geschichte zu Irrlicht

 

Die Erzählungen von Norwin aus dem Speerfjord

 

Norvin Saga af spjótinu firðinum

 

Aus der Bibliothek Wachtentracht “Sammlungen aus Blackmoore”

 

Es war am Eindunkeln als Norwin nochmals Richtung Moor von Düsterheim an den Speerfjorden schlenderte. Er musste noch Torf stechen, denn in ein paar Tagen sollte der Händler wieder hier im Norden auftauchen und der Torf brachte einige extra Groschen ein. Diese benötigte er dringend, denn seine Frau trug ein Kind im Bauch.

Er zog seinen Leiterwagen durchs Unterholz und fluchte leise vor sich hin, weil der Wagen immer hängen blieb. Als er endlich die abgestorbenen Bäume des Moors erblickte, setzte er sich hin und gönnte sich ein Stück Brot, welches ihm seine Frau eingepackt hatte. Ihm schmerzten die Füsse, denn er hatte den ganzen Tag über die verlorenen Schafe zusammengetrieben.

Stöhnend rappelte er sich wieder auf und machte sich an die Arbeit. Mit dem kleinen Spaten stach er in das weiche Moor. Doch schon beim zweiten Stich stiess sein Spaten mit einem dumpfen „Klong“ gegen etwas Hartes. Neugierig buddelte er mit den Händen nach dem harten Gegenstand. Er staunte nicht schlecht, als er etwas Leuchtendes aus der Erde zog. „Das kann doch nicht sein“, stammelte er. „Das muss ein eingesperrtes Irrlicht sein!“ Er betrachtete es lange und beschloss für sich selbst: „Das ist ein Geschenk für einen König!“ Also packte er sein Zeug zusammen und rannte so schnell er konnte nach Hause.

 

Bei seiner Frau angelangt, erzählte er ihr: „Sei mir nicht böse, aber ich muss den König von Ehrenfels aufsuchen und ihm dieses Irrlicht zum Geschenk machen!“

„Wieso willst du jetzt weg, wo das Kind unterwegs ist? Und wieso solltest du das Irrlicht verschenken? In ein paar Tagen sollte Tarbat, der Händler, bei uns sein. Wir könnten es verkaufen“, schlug sie vor.

„Nein, du verstehst das nicht! Ich glaube, dieses Geschenk wurde mir von dem neuen Gott aus dem Süden gegeben. Das Irrlicht muss das letzte Geschöpf der Anderswelt sein. Schon mein Grossvater hatte mir erzählt, dass die anderen durch ihre Pforte für immer verschwunden sind. Lass mich gehen! Ich überlasse dir all meinen Besitz, um euch zu ernähren und verspreche dir, in zwei Jahren zurück zu sein“, beharrte er.

„Ich kenne dich! Was du dir in den Kopf gesetzt hast, muss wohl so sein“, resignierte seine Frau.

„Ja, es muss sein“, bestätigte Norwin.

 

Wie versprochen hinterliess Norwin seiner Frau alle seine Besitztümer und zog mit dem Irrlicht Richtung Süden nach Ehrenfels. Um dort hin zu gelangen, musste er durch die Wälder Blackmoores. In diesen Landen herrschte ein König namens Thorin.

Norwin mied die grossen Strassen und reiste vor allem im Schutze des Waldes. Trotzdem verbreiteten sich rasch Gerüchte über einen Bauern mit einem Irrlicht, der durch die Wälder streife. Der König von Blackmoore trug seinen Kriegern auf, diesen Bauern zu finden und ihn zu ihm zu bringen.

Ragnarson folgte den Gerüchten und fand den Bauern. Dieser befand sich gerade in ziemlichen Schwierigkeiten. Zwei Strassenräuber versuchten, ihn um sein Irrlicht zu erleichtern. Ragnarson schlug die zwei gekonnt in die Flucht.

Norwin sprach: „Danke sehr!“

„Ich bin kein „ser“. Ritter gibt es bei uns nicht. Mein Herr, Thorin, erwartet deine Ankunft“, erwiderte Ragnarson.

 

Norwin wurde in Begleitung von Ragnarson zum König gebracht. Der König sass gerade auf seinem hölzernen Thron in seinem Reisezelt. Es war üblich, dass der König von Ort zu Ort zog, denn in Blackmoore kannte man noch kein richtiges Schloss. Jeder seiner Gefolgsleute war verpflichtet, den König bei sich aufzunehmen. Er studierte gerade eine Karte, als Norwin herein gebracht wurde.

„Du hast etwas Wertvolles bei Dir. Ein Irrlicht, oder?“ begrüsste ihn der König.

„Ja, mein Herr“, erwiderte Norwin.

„Willst du es mir verkaufen?“ fragte Thorin.

„Nein, mein Herr“, antwortete Norwin.

„Möchtest du, dass ich dir den doppelten Preis bezahle vom Wert, den es hat? Was mir sehr angemessen erscheint“, bot Thorin an.

„Nein, mein Herr“, gab Norwin knapp zur Antwort.

„Willst du es mir schenken?“ fragte der König.

„Nein, mein Herr“, verneinte Norwin erneut.

„Was möchtest du dann?“ erkundigte sich der König etwas ungeduldig.

Norwin erklärte: „Ich möchte freies Geleit durch Blackmoore, damit ich das Irrlicht dem König von Ehrenfels zum Geschenk machen kann.“

„Was für ein Narr bist du?! Du solltest wissen, dass wir im Streit mit Ehrenfels liegen und dass schon manchem wegen Geringerem der Weg verweigert wurde!“

„Ich weiss, mein Herr. Doch es ist meine Bestimmung“, beharrte Norwin.

Der König lachte und sprach: „Bestimmung? In die Sache der Götter werde ich mich bestimmt nicht einmischen und ich werde Euch nicht aufhalten! Geht, aber berichtet mir danach, wie Ihr entlöhnt wurdet. Es könnte ja sein, dass Ihr ein Glückskind seid.“

 

Norwin versprach dem König zurückzukommen und zog weiter durch die Berge, die Blackmoore von Ehrenfels trennten. Jedes Mal, wenn er glaubte, nun endlich Ehrenfels erreicht zu haben, tauchten neue Gipfel am Horizont auf. Langsam aber sicher verliessen ihn seine Kräfte. Er traf selten auf Tiere und musste sich vor allem von Pilzen und Beeren ernähren. Das gepökelte Fleisch und das Hartbrot, welches er für die Reise mitgenommen hatte, waren schon lange verzehrt. Halb verhungert stolperte er den Pfad entlang. Irgendwann musste doch ein Dorf oder eine Hütte auftauchen. Er wollte sich wieder einmal eine Pause gönnen, als er plötzlich Stimmen hörte. Durch die Kraft der Hoffnung zwang er sich noch ein paar Schritte vorwärts. Die Stimmen gehörten einem Jarl von König Balgruf namens Trystan und seinem Weib. Sie waren unterwegs, um die Steuern im Namen des Königs einzutreiben.

Norwin bat: „Hast du etwas zu essen für einen armen Bauern, der unterwegs ist, um König Balgruf ein Geschenk zu machen?“

„Du könntest ihm doch Proviant verkaufen“, flüsterte Trystans Weib mit einem Lächeln.

„Leider besitze ich nichts, das ich euch geben könnte. Doch trotzdem würde ich gerne mein Geschenk zum König bringen“, erwiderte Norwin.

„Ich werde dir Schutz und Verpflegung bieten, da du zum König musst. Dafür will ich, dass die Hälfte des Geschenkes von mir ist! Ohne mich würdest du es niemals bis zum König schaffen“, behauptete der Jarl listig.

„Es bleibt mir also keine andere Wahl, als dir die Hälfte meines Irrlichtes zu verkaufen. Was diese Hälfte für einen Wert hat, soll der König entscheiden“, gab Norwin nach.

 

Gemeinsam reisten sie bis nach Ehrenfels. Als sie durch die düsteren Burgmauern schritten, hallten ihre Schritte von den Wänden. Gemeinsam traten sie vor den König. „Wer bist du?“ fragte der König, nachdem er Norwin betrachtet hatte.

„Ich bin ein Nordländer, aus den Speerfjorden, und soeben aus Blackmoore eingetroffen, um Euch dieses Irrlicht zu überreichen. Ich fand es beim Torf stechen in Düsterheim, liess alles hinter mir, um das Irrlicht irgendwie nach Ehrenfels zu bringen. Ich hatte einige Schwierigkeiten unterwegs. Deshalb gehört mir inzwischen nur noch die Hälfte des Irrlichts“, entgegnete Norwin und berichtete dem König weiter, wie es ihm auf seiner Reise ergangen war.

Nachdem Norwin geendet hatte, fragte der König: „Stimmt das, Tristan, was er berichtet?“

„Genau so hat es sich zugetragen“, bestätigte dieser.

Der König fragte empört: „Und du warst der Meinung, es sei richtig, nachdem ich dir Titel und Ländereien geschenkt habe, zu verhindern, dass mir ein kostbares Geschenk überbracht wird? Ein Geschenk, das Norwin zwang, seine Familie zu verlassen und selbst unseren Feind, den König Thorin, dazu brachte, ihn nicht zu köpfen, sondern durch sein Land ziehen zu lassen? Bedenke, ob es richtig war, ihm das Geschenk zur Hälfte abzuknöpfen! Nun, es wäre angebracht, dich hängen zu lassen!“ Zu Norwin gewandt sagte er: „Dich aber, Norwin, entschädige ich, als ob du mir das ganze Geschenk gemacht hättest. Du kannst von nun an hier wohnen und an meiner Tafel speisen.“

 

Die Sonne wanderte Tag für Tag vorüber bis Norwin vor den König trat und ihm bekannte: „Es zieht mich fort, mein Herr.“

Der König schwieg einen Moment und antwortete gereizt: „Aus welchem Grund solltest du uns verlassen wollen?“

„Ich möchte nach Süden, dem neuen Gott huldigen, der mich auf dem Weg hierher stets begleitet hat“, entgegnete Norwin.

„Da du eine solche Absicht gefasst hast, lasse ich dich ziehen. Wir wollen den neuen Gott nicht schon verärgern.“ Der König gab Norwin reichlich Silber, ein Pferd und geeignete Kleider, um die Pilgerreise in Angriff zu nehmen. Zudem gab er ihm einen seiner Priester mit auf den Weg. Der König wünschte Norwin eine gute Reise und machte ihm klar, dass er sich wieder bei ihm melden solle, sobald er zurück sei.

 

Nachdem Norwin aufgebrochen war, hörte man lange Zeit nichts mehr von ihm. Im Süden befiel ihn eine Krankheit, die ihn alles kostete, was er besass. Mit letzter Kraft bewältigte er die Rückreise nach Ehrenfels, wo er den König aufsuchen wollte. So zerlumpt wie er aussah, traute er sich jedoch nicht vor den König. So bettelte er innerhalb der Burgmauern.

Doch einmal, als der König wie jeden Tag zur Abendmesse spazierte, nahm Norwin seinen ganzen Mut zusammen und wollte den König ansprechen. Die Leibwache jedoch hielt ihn auf und schickte ihn zurück in die Gosse. Der König gebot Einhalt: „Lasst ihn vortreten!“ Norwin warf sich vor seine Füsse und der König brauchte einen Moment, um Norwin wieder zu erkennen. „Du hast wohl eine Menge durchgemacht, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben“, vermutete der König und gebot: „Nehmt ihn mit, badet ihn und gebt ihm etwas Neues zum Anziehen.“ Das Gefolge lachte Norwin aus, wie er da so im Dreck lag. „Ihr solltet ihn nicht auslachen, denn für seine Seele ist tausend mal besser gesorgt, als für eure!“

 

Und wieder lösten Nächte die Tage ab und Norwin blieb beim König. Der König vertraute ihm mehr als allen anderen und wollte ihn zu seinem Mundschenk machen, was als grosse Ehre galt. Doch Norwin lehnte ab und sagte: „Gott beschütze Euch, doch ich muss zurück in den Norden.“

„Eine leichtsinnige Wahl scheint es mir, da ich dir doch das Angebot zum Mundschenk gemacht habe“, tadelte der König.

Norwin gab zu bedenken: „Das Geld, welches ich meiner Frau zurückgelassen habe, ist inzwischen wohl aufgebraucht und mein Kind feiert seinen zweiten Sommer. Ich könnte hier nicht leben, ohne zu wissen, ob es ihnen gut geht.“

„Weise Worte, die man nicht leugnen kann. Dies ist wohl der einzige Grund, weshalb ich dich ziehen lasse. In ein paar Tagen laufen die Schiffe aus. Wie würde es dir gefallen, mit einem eigenen Schiff Richtung Norden zu fahren?“

Norwin antwortete: „Gut, Herr!“

„Ich möchte dir eines dieser Schiffe schenken als Lohn für das Irrlicht.“

„Ich danke Euch, Herr. Ihr seid zu gütig.“

„Dass ich gütig bin, werden die Menschen im Norden nicht erfahren, falls das Schiff an euren rauhen Klippen von Speerfjord zerschellen sollte. Ihr habt keine richtigen Häfen und die See ist rauh. Deshalb schenke ich dir einen Beutel voll Silber, damit du nicht arm heim kehrst, sollte dein Schiff sinken“, beschloss der König. „Es kann aber auch mal passieren, dass man bei einem Schiffsbruch seinen Beutel mit Silber verliert. Deshalb schenke ich dir noch diesen Ring. Er soll allen bezeugen, dass du König Wulfgar besucht und ihn reich beschenkt hast. Ich rate dir, den Ring nicht wegzugeben bis zu dem Tage, an dem dir ein vornehmer Mensch viel Gutes tut, denn es ist ein grosszügiges Geschenk. Und nun wünsche ich dir eine gute Reise, möge Gott mit dir sein.“

 

Norwin stach in See und gelangte nach Blackmoore. Dort suchte er König Thorin auf, um sein Versprechen einzulösen, welches er vor seiner Reise nach Ehrenfels gegeben hatte. Thorin nahm ihn gebührend in Empfang und sagte: „Nimm Platz und trinke mit uns.“

Norwin setzte sich zum König und bekam ein Horn Met. Der König erkundigte sich: „Welchen Lohn hast du nun für dein Irrlicht erhalten?“

Norwin antwortete: „König Wulfgar nahm mich bei sich auf dafür.“

„Ich hätte dich auch aufgenommen. Was hat er sonst noch für dich getan?“ fragte der König weiter.

„Er gab mir Silber und Ausrüstung für die Pilgerfahrt in den Süden“, erwiderte Norwin.

König Thorin erwiderte: „Seit er zu dem neuen Gott gewechselt hat, gibt er so manchem Silber und Ausrüstung für eine Pilgerfahrt, auch ohne ein kostbares Geschenk dafür zu bekommen.“

„Er bot mir auch an“, erzählte Norwin weiter, „mich zum Mundschenk zu machen und mich am Hofe in allen Ehren zu behalten.“

„Schöne Worte sind das“, sprach Thorin, „doch das wird wohl nicht alles gewesen sein?“

Norwin sagte: „Er schenkte mir ein Schiff mit Ladung und Mannschaft.“

„Das war grosszügig von ihm“, bestätigte der König, „doch auch ich hätte dir dafür ein Schiff geschenkt. Bekamst du noch mehr?“

Norwin bejahte: „Er schenkte mir einen Beutel voller Silber, damit ich nicht arm wäre, falls das Schiff an den Speerfjorden zerschellen sollte.“

„Das ist in der Tat grosszügig. Ich hätte mich nicht verpflichtet gefühlt, dir noch mehr zu schenken, nachdem ich dir ein Schiff geschenkt hätte. Aber sag, gab er dir denn noch mehr?“ erkundigte sich der König.

„Gewiss, Herr“, äusserte Norwin. „Er schenkte mir diesen Ring an meinem Arm und sagte, auch wenn ich alles verlieren sollte, sei ich immer noch nicht arm mit diesem Ring. Ich solle ihn behalten, bis zum Augenblick, an dem ich einem Menschen viel Gutes zu verdanken hätte und ihm den Ring schenken wolle. Diesen Menschen habe ich gefunden, denn mein Leben lag in deiner Hand und du liessest mich in Frieden ziehen, dorthin wo anderen Menschen der Weg versperrt geblieben wäre.“

Der König nahm das Geschenk dankend entgegen und schenkte Norwin im Gegenzug seine Freundschaft und wertvolle Geschenke. Reich beladen segelte Norwin heim Richtung Speerfjord und konnte zu Hause endlich seine Familie wieder in die Arme schliessen.